Brote, die die Welt bedeuten

Kennst Du Bernd das Brot? Das Brotmännchen aus dem Fernsehen.
Die Nutella-Werbung? 4 Fußballer an einem Tisch. Beim Frühstück, ihr Graubrot ohne graue Zellen streichelnd.
Erinnerst Du Dich an die Fernsehritter? Runter vom Pferd, Helm ab und rein mit der Schnitte. Gereicht von Schnitte 2 im vollbusigen Leinenkleid.Oder an das letzte Oktoberfest? Was Handfestes für Ferdi in den ledernen Knickerbockern: Ein Maß und dazu ne ordentliche Knifte.
Nein? Aber mit der „Stulle aus der Kindheit“ – da kannst du was anfangen! Wie schön, wenn Mama das Pausenbrot geschmiert hat oder Oma mit der Brotschneidemaschine Scheibchen gesägt hat.
Vielleicht ist es genau diese Erinnerung, die die Stadt durch den auf ihr liegenden Brotgeruch zu einem Ort des Vertrauens macht. Wenn ich beim Joggen an der Stelle vorbeikomme, an der der Brotgeruch durch die Stadt zieht, dann zieht es auch in meinem Herzen. Es lockt mich. Es riecht nach Umsorgen, Kümmern, Heimat. Und ganz nebenbei auch noch nach glücksbringenden Kohlenhydraten. Ich kann jedes einzelne Kohlenhydrat riechen. Irgendjemand backt wieder Glücksbrote. Doch wer ist dieser Bäcker? Ein kleiner untersetzter Mann mit einer Hygienehaube aus Papier? Vor einem Ofen in einem grauen Fabrikgebäude? Graubrote? Und Weißbrote? In weißen Fabriken?
Nein, ich möchte mir einen treuen alten Mann vorstellen, der sein Handwerk liebt. Eine Stube, in der es noch so richtig stauben darf. Keine vorgefertigten Hefebällchen, die einheitlich in Reih und Glied stehen. Nein. Einzeln geformt und vor dem Backen mit dem Messer angeschlitzt. Ganz vorsichtig, nicht zu tief. So, dass nichts verläuft. Kein Tröpfchen Teig verloren geht.
Es duftet. Einfach dufte. Es kann sich hier keiner diesem Duft entziehen. Ein Glück, dass ich die Abgase, die mich beim Joggen umgeben, nicht so intensiv riechen kann. Das wäre viel dümmer als Brot. Denn dieser Geruch ist durch und durch positiv besetzt. Er benebelt. Mein Kopf wird zum Teiggemisch und mein Gehirn wird zum Klumpen. Like high. I like. Er lässt Gedanken fliegend zur Ruhe kommen. Spendet Geborgenheit und Wärme.
Als Kind durfte ich mit meiner Schulklasse eine Bäckerei besuchen. Ganz aufgeregt musste ich viel früher aus dem Haus als sonst, denn für einen Bäcker ist 4 Uhr morgens schon spät. Ich erinnere mich an wohlig warme Wärme. An große Backschaufeln und Öfen mit Klappen. Rauf. Runter. Quietschender Stahl. Staubiges Mehl. Sandige Arbeitsflächen. Eingehüllt von einem weißen Nebel, der bei dem kleinsten Nießen aus meiner Schulfreundin eine Vampirbraut gezaubert hätte. Ruhig und warm. Und dann. Das erste gebackene Brötchen an diesem Tag. Wie man es zuerst kaum berühren kann. Dann mit schneller Hand und einem geschickten Druck auf den Spalt teilt. Außen braun und knusprig, innen weicher weißer Teig, der die beiden Hälften nicht trennen mag und sich für keine von ihnen entscheiden will. Wenn man sein Brötchen besonders gerne hat, gibt man ihm einen Schokoschaumkuss. Mitten rein. Waffel an Teig. Schmelzende Schokolade. Cremig weißer Schaum an warmer weicher Hefe. Ein quietschsüßer und doch knuspernder Genuss. Eine runde Sache. Bis heute.

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1 Kommentar

  1. Himmel 🙂
    ich kann das sooo nachfühlen
    Seit ich an den Stadtrand gezogen bin fehlt mir „mein“ Bäcker.
    Was liebte ich es morgens auf dem Balkon zu sitzen, den Tag zu begrüßen wenn er erwacht und den Duft von frischem Brot in der Nase

    SUPER geschrieben
    Danke
    LG Ella

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